Wir beobachten das Zusammenwachsen von Software und Medizin

Karlheinz Schmelig im Interview mit Holger Garbs, Plattform Life Sciences 

Plattform Life Sciences: Welche Trends sind für Biotechinvestoren derzeit besonders attraktiv?

Schmelig: Mit der steigenden Digitalisierung der Medizin und neuen Konzepten wie Next Generation Sequenzierungstechnologien (NGS) und Artificial Intelligence (AI) beobachten wir das immer stärkere Zusammenwachsen von Software und Medizin. Wir haben zum Beispiel gerade als Lead-Investor eine Finanzierungsrunde für das finnische Unternehmen Blueprint Genetics durchgeführt. Blueprint ist ein international erfolgreicher Anbieter von klinischen Gentests für die Diagnose von Erbkrankheiten. Für die Diagnose verwendet Blueprint eine proprietäre AI-unterstützte Sequenzierungs- und Interpretationsplattform.

Wie werden Finanzierungsrunden derzeit organisiert? Haben Sie hier in der letzten Zeit besondere Veränderungen wahrgenommen?

Das Finanzierungsumfeld hat sich über die letzten Jahre im Bereich der Biotechnologie nicht wesentlich verändert. Ausländische VCs, insbesondere auch aus den USA sind nur vereinzelt im Europäischen Raum aktiv, im Gegensatz zu den E-Commerce- und ICT-Märkten, insbesondere in Berlin. Der Vorteil ist, dass die Bewertungen weiterhin attraktiv sind und wir dennoch in der Lage sind, für die interessanten Deals gute Investorensyndikate zu gewinnen. Insbesondere sehr gut qualifizierte regionale und öffentliche Fonds wie auch ein gutes Business-Angel-Umfeld sind hier weiterhin tragende Säulen.

Stichwort Bundestagswahl: Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um insbesondere Biotech-Investments wieder attraktiver zu machen?

Die Attraktivität von Investments bemisst sich für uns in erster Linie an den innovativen Ideen und den Unternehmern, die sich wagen zu gründen. Aber natürlich gibt es auch Verbesserungspotential bei den Rahmenbedingungen: Sei es die sehr begrüßenswerte 1%-Initiative von Dr. Kremoser von unserer Beteiligung Phenex Pharmaceuticals (steuerliche Förderung von Privatkapital für Venture-Capital-Investitionen) oder das Thema Verlustvorträge, das von der Politik leider so verkompliziert und mit so vielen Sonderregeln belegt wurde, dass es oft schlicht nicht umsetzbar ist.

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